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Macht Zucker Diabetes?

Zucker ist ein unverzichtbarer Energielieferant. Im Übermaß kann er aber schaden. Welche Folgen hoher Zuckerkonsum haben kann, wie Sie Zuckerfallen umgehen
von Simone Scheufler, aktualisiert am 25.08.2016

Süße Verlockung: In großen Mengen kann Zucker dem Körper schaden

Fotolia/mallivan

Natürlich lieben wir Süßes. Die Lust darauf ist uns angeboren. Denn der Körper ist auf Zucker angewiesen, um gut zu funktionieren. "Wir brauchen Glukose zum Denken, Atmen, Laufen. Und weil das so wichtig ist, stellt der Körper den Zucker aus der Nahrung selbst her", sagt der Internist und Diabetologe Dr. Erhard Siegel, Chefarzt des St.-Josefs-Krankenhauses in Heidelberg.

Beim Verdauen werden Kohlenhydrate – zum Beispiel aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukten oder Hülsenfrüchten – so lange zerlegt, bis Glukose vorliegt. Das sind Zuckermoleküle, die durch die Wand des Dünndarms in das Blut gelangen. Von dort verteilen sie sich im ganzen Körper und geben den Zellen der Organe die Energie. Glukose kann nur dann von einer Zelle aufgenommen werden, wenn die Bauchspeicheldrüse genug Insulin bildet. Das Hormon erleichtert das Eindringen des Zuckers in die Körperzellen. Die Glukose im Blut steht ihnen dann als Energielieferant zu Verfügung.

Zucker und Diabetes – gibt es da einen Zusammenhang?

Problematisch wird es, wenn der Zucker nicht mehr in die Zellen gelangt, weil sie schlechter auf Insulin ansprechen. Er bleibt dann im Gefäßsystem zurück, der Blutzuckerwert steigt.

Eine gewisse Zeit kann der Körper das ausgleichen, indem er mehr Insulin produziert, als es bei einem gesunden Menschen nötig wäre. Mediziner bezeichnen diesen Zustand als Prädiabetes, eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes. Davon spürt man in der Regel nichts, das ist das Fatale. Bei einem entsprechenden Verdacht kann der Hausarzt mit einem oralen Glukosetoleranz-Test feststellen, ob ein erhöhtes Risiko für Diabetes besteht. Die Gefahr für Schäden an Blutgefäßen und Nerven steigt mit dauerhaft zu hohen Blutzuckerwerten. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und weitere Folgeerkrankungen wie beispiels­weise Probleme mit den Nieren oder Augen oder Taubheitsgefühle in den Beinen.

Übergewicht begünstigt Zuckerkrankheit

Zu viele Pfunde auf den Hüften können die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes begünstigen. "Dicke brauchen bis zu 20-mal mehr Insulin als Schlan­ke", beschreibt Professor Andreas Pfeiffer, Ernährungsmediziner am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke, die Situation vieler, aber nicht aller Übergewichti­ger. Auch Normalgewichtige können von einer beginnen­den Insulinresis­tenz betroffen sein.

"Kommt in dieser Situation noch eine zuckerreiche Ernährung dazu, für die schnell viel Insulin nötig ist, reicht das, was die Bauchspeicheldrüse produzieren kann, absolut nicht mehr aus. Dann ist Zucker wirklich ein Gift", sagt Pfeiffer, der auch die Abteilung Endokrinologie an der Berliner Charité leitet. Die Kombination von Zucker mit ungesättigten oder gehärteten Fetten wie in Kuchen, Keksen oder Schokolade bezeichnet er als fatal: "Wegen der hohen Energiedichte nimmt man schnell zu, wird nicht sonderlich satt und hat bald wieder Hunger."

Weltgesundheitsorganisation spricht sich für weniger Zucker aus

Es sind aber nicht nur die offensichtlich süßen Nahrungsmittel, die den Zuckerkonsum jedes Einzelnen in die Höhe treiben. In so mancher Supermarkt-Pizza verstecken sich mehr als 15 Gramm Zucker, in einem Löffel Ketchup rund vier Gramm. Bis zu 30 Gramm können in 100 Gramm Früchtemüsli aus der Packung enthalten sein. In einer Dose Ravioli sind es immerhin etwa 11 Gramm.

Das ist ziemlich viel, legt man die deutlich nach unten korrigierten Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation zu­grunde. Demnach sollen weniger als fünf Prozent der Kalorienmenge pro Tag in Form von Zucker aufgenommen werden. Das entspricht etwa 25 Gramm Zucker, ungefähr sechs Teelöffeln. Es ist eine Herausforderung, diese Zielvorgaben zu erreichen, aber machbar.

Versteckte Zuckerquellen: Limo, Diätprodukte, Müslriegel

Allerdings muss man genau hinschauen, was in den Einkaufswagen kommt. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat beispielsweise Limonaden, Energydrinks, Fruchtsäfte, Schorlen, Brausen und Eistees auf ihren Zuckergehalt untersucht. Bei den insgesamt 463 untersuchten Produkten lag der Zuckergehalt bei rund 60 Prozent der Proben über fünf Prozent – und damit über der Tagesempfehlung der WHO. Ein Energydrink enthiehlt sogar 16 Prozent Zucker, was in einer 500 Milliter Dose 26 Stück Würfelzucker entspricht, so Foodwatch.

Selbst in fettreduzierten Diät-Menüs stecken erhebliche Mengen Zucker, um zum Beispiel das fehlende Fett als Geschmacksträger zu ersetzen. Fruchtsäfte und sogenannte Fitnessriegel haben häufig ebenfalls einen enorm hohen Anteil an Fruchtzucker, der auch als Fruktose bezeichnet wird.

Im Gegensatz zu Glukose lässt der Fruchtzucker den Insulinspiegel zwar nicht ansteigen. "Doch Fruktose fördert die Bildung einer Fettleber, wenn regelmäßig sehr viel davon aufgenommen wird", erklärt Pfeiffer. Der Ernährungsexperte betont aber gleichzeitig, dass der in unverarbeiteten Früchten vorhandene Fruchtzucker kein Problem darstelle, weil die verzehrte Menge zu gering sei. Das gilt jedoch nicht für die verarbeitete Variante: So enthält ein Glas handelsüblicher Apfelsaft (200 ml) etwa 20 Gramm Zucker, selbst wenn keiner extra zugesetzt wurde.

Übermaß an Fruktose schadet der Leber

"Nimmt man Glukose und Fruktose in großen Mengen zusammen auf, wie das bei Haushaltszucker oder Limonaden der Fall ist, dann läuft die Fettsynthese in der Leber auf vollen Touren", sagt Pfeiffer. Wird vermehrt Fett in die Leber eingebaut, können krankhafte Veränderungen des Organs entstehen, die Mediziner als nichtalkoholische Fettleber bezeichnen.

"Immer mehr Menschen sind von den Mengen an Fruktose massiv überlastet. In fast allen Fertigprodukten ist sie enthalten, weil Zucker nicht nur als Geschmacksverstärker, sondern auch als Konservierungsmittel eingesetzt wird", erklärt der Diabetologe Erhard Siegel. Von industriell gefertigten Lebensmitteln, die zugesetzten Zucker, Glukose, Fruktose oder Glukose-Fruktose-Sirup enthalten, rät er ab.

Nährwertangaben schwer verständlich

Welche Inhaltsstoffe in einem Produkt stecken, steht in der Zutaten­liste auf der Verpackung. Je weiter vorn eine Zutat aufgeführt ist, umso mehr ist davon enthalten. Hinweise zum Zuckergehalt findet man auch bei den Nährwertangaben, meistens unter der Bezeichnung "Kohlenhydrate" zusammengefasst. "Das Kleingedruckte auf der Packung ist unverständlich: Wer sich nicht mit Ernährung beschäftigt, kann damit kaum etwas anfangen", sagt Siegel. Als Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft fordert er eine Zucker-Fett-Steuer für stark verar­beitete Nahrung wie Fertigprodukte. Dafür sollen unverarbeitete Lebensmittel wie Obst und Gemüse billiger angeboten werden können. Mehr zum Thema Zuckersteuer finden Sie hier: Brauchen wir eine Zuckersteuer?

Können Verbraucher nicht selbst entscheiden, was sie essen wollen? "Wenn manche bei der Zucker-Fett-Steuer von Bevormundung sprechen, halte ich das für zynisch. Denn eine informierte Kaufentscheidung kann nur treffen, wer über ein Produkt Bescheid weiß", sagt Siegel und fügt hinzu: "Doch die Nahrungsmittel­industrie führt uns mit ausgeklügelter Werbung in die Irre. Und eine klare Lebensmittelkennzeichnung wie eine Ampel fehlt immer noch."



Bildnachweis: Fotolia/mallivan

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